Lohnt sich ein eigener Rucksack?

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23.04.2017, 14:08
Ein in der Tat häufig anzutreffendes Notfallbild...

Ist die Reanimation bzw. der Atemstillstand auch ...

Generell kann man ja die Ausrüstungsauswahl von mehreren Seiten angehen:

"was häufig ist, ist häufig" und nimmt überwiegend Verbandmaterial, Pflaster, Kältepacks und SamSplint rein, hat halt den Vorteil, dass man es relativ oft braucht und es einfaches Material mit kaum Folgen bei falscher Handhabung hat. Allerdings hat es auch kaum Konsequenzen, wenn dieses Material nicht unmittelbar zur Hand ist.

Der andere Weg ist ja, das vorzuhalten, womit man schwerwiegende Verläufe abmildern kann - z.B. Material zum Atemweg offenhalten, Tourniquet, ... - jedoch meist deutlich komplexer, benötigt mehr Schulung und Kenntnisse sowohl zur Indikationsstellung als auch zur Anwendung, allerdings hat hier ein Fehlen, in den sehr seltenen Situationen in denen man es mal privat brauchen könnte, ggf. eine tödliche Konsequenz.

Von daher kann ich durchaus nachvollziehen, warum einige Ausrüstungen auch ein Tourniquet beinhalten.
23.04.2017, 14:30
Ich versteh ehrlich gesagt nicht, warum irgendwelche "Sanhelfer" ein Tourniquet meinen mitführen zu müssen, was (zumindest bei uns) nicht mal auf dem RTW ist.

Und ich hab in bald 2 Jahren nicht einmal einen VU gehabt, bei dem ein Bein abgetrennt war... mir fällt außer vielleicht bei einem Motorrad kein Unfallhergang ein, bei dem man sich das Bein abtrennen könnte. (außer in irgendwelchen Betrieben)

In meinen Augen ist so nen SanHelfer / Schulsani mit einem Tourniquet wieder nur einer dieser möchtegern Profiretter, die meinen sie haben Jahre Erfahrung und Ausbildung hinter sich...
hauptamtl. Rettungssanitäter - ex Feuerwehr'ler (Truppmann & Atemschutzgeräteträger)
23.04.2017, 15:24
Ich persönlich führe auch keins mit, aber ich kann nachvollziehen, dass manche es gerne dabei haben.

Zugegeben das Beispiel war nicht so gut :)
23.04.2017, 15:27
Maruseru hat geschrieben:Ich versteh ehrlich gesagt nicht, warum irgendwelche "Sanhelfer" ein Tourniquet meinen mitführen zu müssen, was (zumindest bei uns) nicht mal auf dem RTW ist.


Naja, im Prinzip wäre es überspitzt gesagt ja auch im Erste Hilfe Kasten besser aufgehoben als im RTW - denn wenn du es brauchst, brauchst du es sofort und nicht erst nach 10 Minuten.

Natürlich ist es selten - aber wie Markus schon sagte: Lebensrettend. Und wenn man nicht an den VU denkt, sondern Schussverletzungen, Detonationen etc. (Frankreich 2015), bekommen solche Maßnahmen ein ganz anderes Gewicht.

Maruseru hat geschrieben:In meinen Augen ist so nen SanHelfer / Schulsani mit einem Tourniquet wieder nur einer dieser möchtegern Profiretter, die meinen sie haben Jahre Erfahrung und Ausbildung hinter sich...


...oder sie haben verstanden, dass man Ausrüstung dabei haben sollte, die im richtigen Moment Leben rettet, während viel anderer Schnickschnack oft genutzt wird, aber in den ersten 10 Minuten nicht entscheidend ist.
23.04.2017, 18:13
Ich persönlich habe auch einen Rucksack was aber zum einen daran liegt, das unser SSD eher mindermäßig ausgerüstet ist und zum anderen an meinen Hobbys (Mountainbike, Kickboxen und Airsoft da kann man einen Notfallrucksack schon mal gebrauchen). Bis jetzt bin ich zum Glück nicht dazu gekommen ihn benutzen zu müssen, aber ich vertrete da den Grundsatz: "Lieber haben als brauchen". Beim Tourniquet muss ich sagen, dass ich der Meinung bin das es bei Ersthelfern wie Schulsanitätern und in Erste Hilfe Kästen wesentlich besser aufgehoben ist wie auf dem RTW. Ein Tourniquet ist schließlich dazu da lebensbedrohliche Blutungen zu stoppen und leicht zu benutzen.
23.04.2017, 19:45
Ich weiss erhlich gesagt nicht, wo das Problem liegt, ein Tourniquet in der privaten "Notfallausrüstung" mitzuführen. Ich persönlich habe es geschenkt bekommen und daher in der Tasche, gekauft hätte ich es mir nicht. Und jeder, der schon Mal eins in der Hand hatte, weiss, dass es kaum Platz einnimmt und somit keine zusätzliche Belastungen darstellt. Es muss ja nicht unbedingt die Amputation sein, mein Opa hat sich bspw. (war nicht dabei, wurde mir so erzählt) beim Holzhacken die Axt unglücklich in den Oberschenkel geschlagen und naja, im Schock rausgezogen, Femoralis war durch, den Rest könnt ihr euch ja denken. Es gibt eben durchaus alltägliche Indikationen für ein Tourniquet. Ob ich es jemals brauche, sei Mal so dahingestellt, aber das gilt ja allgemein für alle privaten Notfallrucksäcke etc.
23.04.2017, 21:14
Ich persönlich sehe den Beatmungsbeutel bei wenig routinierten Helfern eher als kritisch, als einen TQ, sowohl was Nutzen, als auch Schaden angeht.
24.04.2017, 11:59
Wie hat geschrieben:
M1k3 hat geschrieben:Ein Tourniquet führt aber keiner mit?



Warum nicht?

Das frage ich mich auch.
25.04.2017, 11:59
Sowohl im Sanitätsdienst als auch im Rettungsdienst habe ich zwei Tourniquets in der Vorhaltung. In den letzten drei Jahren habe ich das auch im Rettungsdienst als Hauptberufler nie verwendet. Es mag mit Sicherheit Situarionen geben, an dennen ein Tourniquet sinnvoll wäre, die dürften aber nur sehr selten im ehrenamtlichen Dienst oder als Ersthelfer anzutreffen sein.

Daher reicht in meinen Augen auch das berühmte Dreiecktch mit dem Knebel.

Hämostatische Verbandprodukte (QuikClot etc.) bräuchte man da vielleicht schon häufiger.
25.04.2017, 12:12
Hajo Behrendt hat geschrieben:Daher reicht in meinen Augen auch das berühmte Dreiecktch mit dem Knebel.

Hämostatische Verbandprodukte (QuikClot etc.) bräuchte man da vielleicht schon häufiger.


Ach ja? Für welche Verletzungen, wo dann nicht das berühmte "Draufdrücken" reichen würde?
25.04.2017, 18:43
Ein gutes Beispiel sind stärker/strömend blutende Kopfplatzwunden. Hier ist alleine das Anlegen eines Verbandes aufgrund der schlechten Haftung (Haare, Kopfform) schon schwierig.

Ein Druckverband am Kopf ist auch eher schwer zu realisieren.

In diesem (häufigeren) Fall nützt kein Tourniquet, aber vielleicht eine schnelle Blutstillung bei leichter Kompression.

Fall aus meiner Einsatzpraxis am Wochenende: Auf einem Reitturnier löst sich während einer Galoppvorführung ein Hufeisen vom Hinterlauf eines Pferdes. Es wird ca. zehn Meter hoch in die Luft katapultiert und trifft eine Frau auf dem Kopf. Aufgrund des sich verschlechternden Gesundheitszustandes während der Erstversorgung (zunehmende Amnesie/Eintrübung) hätte ich gerne die Kopfwunde schneller versorgt gehabt. Da das Quik Clot aufgrund von Verfall gerade aus dem Rucksack entfernt und noch nicht nachbeschafft war, mussten wir zeitaufwändig versuchen, einen Druckverband auf dem Kopf anzulegen. Eine Hilfe war das im zweiten Anlauf eingesetzte "Alucap (R)" von Söhngen, auf dem sich auch ein zusätzlicher Verband gut anlegen ließ.

Hat in diesem Zusammenhang jemand Erfahrung mit diesen neuartigen Wundklammern (IT-Clamps)? Taugen die auch etwas für den Sanitätswachdienst?
25.04.2017, 19:05
Das Problem bei den meisten dieser Tools ist doch, ob sie tatsächlich einen Vorteil bringen. Nimm mal Dein Hufeisenopfer: Die Blutung ließ sich ja anscheinend durch einen Verband mit etwas Druck stillen. Hättest Du QuikClot dabei gehabt, hätte die Blutung damit vielleicht auch gestanden. Aber welche Aussage würde man denn dann treffen? In diesem Fall hätte die Anwendung von QC dann keinen Vorteil gehabt - oder?
Ist mit der It-Clamp genau so. Klar hättest Du Deine Kopfplatzwunde damit versorgen können. Aber auf der anderen Seite wäre sie wieder nicht notwendig gewesen. Die meisten Tools führen zu einer inflationären Verwendung ohne tatsächlich klaren Zusatznutzen.

Übrigens macht Dich die Mindestabnahmemenge fertig ;)
25.04.2017, 20:15
Hajo Behrendt hat geschrieben: (häufigeren) Fall nützt kein Tourniquet, aber vielleicht eine schnelle Blutstillung bei leichter Kompression.

...Hufeisen vom Hinterlauf eines Pferdes. Es wird ca. zehn Meter hoch in die Luft katapultiert und trifft eine Frau auf dem Kopf.

...Eintrübung...


Der häufigere Fall ist aber nicht wirklich lebensbedrohlich, besonders die "leichte Kompression" relativiert ja auch wieder alles - zumal ich stark an der Schilderung des Szenarios zweifle. Und die Kopfplatzwunde ist ja vermutlich auch nicht die kausale Ursache für die Eintrübung, oder wie viele Liter hat sie verloren?

Don Spekulatius hat geschrieben:Aber welche Aussage würde man denn dann treffen? In diesem Fall hätte die Anwendung von QC dann keinen Vorteil gehabt - oder?


Die gleiche Argumentation bringt Hajo oben ja auch - nur da mit dem Dreiecktuch, Quickclot scheint er da anders zu sehen... ;-)
25.04.2017, 23:05
Hajo Behrendt hat geschrieben:Fall aus meiner Einsatzpraxis am Wochenende: Auf einem Reitturnier löst sich während einer Galoppvorführung ein Hufeisen vom Hinterlauf eines Pferdes. Es wird ca. zehn Meter hoch in die Luft katapultiert und trifft eine Frau auf dem Kopf. Aufgrund des sich verschlechternden Gesundheitszustandes während der Erstversorgung (zunehmende Amnesie/Eintrübung) hätte ich gerne die Kopfwunde schneller versorgt gehabt.


Hinsichtlich der Zustandsverschlechterung hätte ich die Blutung eher nicht als primäre Ursache im Auge gehabt ...
05.05.2017, 07:46
Sowohl im Sanitätsdienst als auch im Rettungsdienst habe ich zwei Tourniquets in der Vorhaltung. In den letzten drei Jahren habe ich das auch im Rettungsdienst als Hauptberufler nie verwendet. Es mag mit Sicherheit Situarionen geben, an dennen ein Tourniquet sinnvoll wäre, die dürften aber nur sehr selten im ehrenamtlichen Dienst oder als Ersthelfer anzutreffen sein.


Ich habe bei meinen Einsätzen, an denen ich aktiv beteiligt war, noch keinen Tourniquet gebraucht bzw. vermisst. Allerdings haben wir im Schockraum schon ab und zu Patienten, die mit einem Tourniquet versorgt wurden (und diesen auch gebraucht haben) - Erinnerlich ist mir ein Arbeitsunfall in einem fleischverarbeitenden Betrieb mit einer Hand/Unterarmverletzung und ein Überrolltrauma der unteren Extremitäten.
Von daher sind es seltene Einsätze, allerdings in diesen beiden Fällen haben sie zum Überleben beigetragen.

"Berühmte Dreieckstuch mit Knebel"

ich habe es noch nie ausprobiert, allerdings hat sich die Qualität des durchschnittlichen Dreiecktuchs ja massiv verschlechtert, früher (aus der Zeit dieser Empfehlung) waren die Tücher aus stabiler Baumwolle, heut liegt meist nur ein billiges Vliesmaterial im Verbandkasten - funktioniert es damit auch?
Des Weiteren ist auch ein 30 cm Holzstab, der sich früher für diesen Zweck in einigen Verbandkästen (Auto nicht, aber die größeren Betriebsverbandkästen teilweise schon) fand, auch nicht mehr enthalten.
Ich glaube, es ist einfacher dann tatsächlich einen TQ vorzuhalten, als das passende Dreiecktuch zu besorgen und sich ein Holzstab zuzusägen.

Hämostatische Verbandprodukte (QuikClot etc.) bräuchte man da vielleicht schon häufiger

Obwohl diese bei uns auf den Rettungsmitteln verlastet sind (QuikClot Gauze) ist mir keine Anwendung bislang bekannt. Ich kenne die Verwendung solcher Hämostyptika allerdings eher aus der Gynäkologie bei der Blutung nach der Geburt (PPH) - dort mit gutem Erfolg.

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